3 Tage Städtetrip in St. Petersburg

Da wir beide bisher noch nicht die Gelegenheit hatten, nach Russland zu reisen, haben wir im Rahmen unseres Auslandssemesters in Finnland die Chance ergriffen und sind nach St. Petersburg gereist. Reist man mit dem Schiff nach Russland, können EU-Bürger bis zu 72 Stunden im Land bleiben, ohne vorher ein Visum zu beantragen oder dafür zu bezahlen. Wir haben eine 3-Tages-Tour mit der Organisation „OpenYourRussia“ gebucht, welche wir unbedingt empfehlen können.

Etwa Mitte April 2016 haben wir ganz simpel über Facebook eine Anfrage an die zuständige Betreuerin gestellt, anschließend die nötigen Dokumente ausgefüllt und angegeben, mit wem wir uns ein Zimmer im Hostel teilen möchten. Das war es auch schon! Bezahlt wird bei OpenYourRussia nämlich vor Ort (bar in Euro). Bis zu 14 Tage vor der Reise kann man übrigens kostenlos stornieren.

Details und Kosten der Städtereise

Der ganze Trip von Seinäjoki nach St. Petersburg und zurück dauerte fünf Tage. Davon verbringt man allerdings zwei ganze Nächte auf der Fähre, sodass wir am Ende drei volle Tage in St. Petersburg genießen konnten. Gekostet hat das ganze gerade einmal 235 Euro pro Person.

Darin enthalten sind die folgenden Dinge:

  • Fähr-Ticket (St. Peterline)
  • Transfer in die Stadt und zurück
  • 2 Nächte im Hostel von OpenYourRussia inkl. Frühstück
  • 12 Stunden Führung täglich mit einem lokalen Guide
  • Typisch russische Süßigkeitenbox

Info: Es gibt noch eine weitere Reise, die man buchen kann. Diese kostet 195 Euro pro Person und beinhaltet einen Tag in Tallinn, der Hauptstadt von Estland sowie zwei statt drei Tage in St. Petersburg. Welche der beiden Reisen man buchen kann hängt von der Jahreszeit ab und sollte vorher geprüft werden!

Am Morgen des 06. Mai 2016 ging es dann auch schon los. Wir sind in Begleitung von vier Freunden aus Frankreich, die mit uns in Finnland studiert haben, mit der Bahn von Seinäjoki nach Helsinki gefahren. Dort angekommen mussten wir erstmal einige Zeit totschlagen, weil die Fähre erst gegen 19 Uhr losgefahren ist.

Nachts auf der Fähre St. Peterline

Cabin Petersline

Auf der Fähre teilten wir jeweils Viererzimmer mit anderen Studenten, die ebenfalls über OpenYourRussia gebucht haben. Man konnte sich leider nicht aussuchen, wer mit in dem Zimmer schläft und so kam es, dass wir unterschiedliche Kabinen zugewiesen bekamen. Glücklicherweise hatte ein anderes Mädchen kein Problem damit, ihre Kabine zu tauschen, sodass wir am Ende in der selben Kabine schlagen konnten.

Die Fähre selber war echt riesig, es gab acht oder neun Decks, mehrere Restaurants und Bars, ein Schwimmbad, einen extrem günstigen Duty-Free-Shop, ein Casino und vieles mehr. Leider hatten wir das Pech, dass unser Zimmer auf dem zweiten Deck lag und so mussten wir uns in der Nacht mit relativ lauten Motorengeräuschen und starkem Vibrieren arrangieren. Zudem hat Flo ein Bett erwischt, welches schief an der Wand befestigt war und musste mit der Matratze auf dem Boden schlafen, was das Vibrieren nicht angenehmer gemacht hat 😀

Tag 1 unseres Städtetrips in St. Petersburg

Morgens haben wir die Fähre dann schon um 9 Uhr verlassen. Das war allerdings aus mehreren Gründen ein echter Kampf. Zuerst wollte uns das Personal etwa 45 Minuten nicht von der Fähre lassen und es war extrem heiß und voll im Ausgangsbereich. Als wir dann endlich festen Boden unter den Füßen hatten hat es bestimmt eine ganze Stunde oder länger gedauert, bis wir endlich durch die Passkontrolle gekommen sind.

Nachdem wir uns hinter der Passkontrolle in unseren Gruppen zusammengefunden hatten, wurden wir sofort von unserem Guide Polina empfangen, die etwa in unserem Alter war. Unsere Gruppe bestand aus 10 Leuten, eine perfekte Gruppengröße!

Info: Das Unternehmen „OpenYourRussia“ wurde von Studenten gegründet und soweit ich weiß, sind alle Guides ebenfalls Studenten.

Mit einem Shuttle Bus  wurden wir dann in die Nähe unseres Hostels gebracht. Doch das lief leider komplett anders, als gedacht. OpenYourRussia hat ein eigenes, wirklich schönes Hostel. Allerdings war dieses für das Wochenende überbucht, sodass unsere Gruppe in einem anderen Hostel untergebracht wurde. Das 8-Bett-Zimmer war sehr klein und die Badezimmer recht dreckig. Wir waren enttäuscht. Immerhin haben wir jeder 5 Euro zurückbekommen. Im Grunde genommen war das zwar ein Witz, aber wir wollten uns auch nicht das Wochenende wegen dem Hostel versauen lassen.

Nachdem wir unsere Sachen abgelegt und geduscht haben sind wir auch direkt losgezogen, die Stadt zu besichtigen. Der erste Stop, nachdem wir in einer Bank Geld gewechselst und abgehoben haben, war ein typisch Russisches Restaurant. Aller waren ausgehungert und das Essen schien wohl echt gut zu sein, allerdings gab es für uns nichts Veganes. Da wir beide die einzigen Veganer in der Gruppe waren, was wir vorher bei der Anmeldung angegeben haben, hat Polina uns den Weg zu einem Supermarkt gezeigt, bei dem wir uns mangels Auswahlmöglichkeiten Oreos als Mittagessen gekauft haben 😀

st-isaacs-cathedral

St. Isaac’s Cathedral

Die erste Sehenswürdigkeit, die wir uns anschließend angeguckt haben, war die St. Isaac’s Cathedral. Allerdings haben wir uns diese Kathedrale nur von außen angeguckt und haben statt reinzugehen eine Turmbesteigung gemacht. Oben angekommen hatten wir eine wirklich schöne 360 Grad Aussicht über St. Petersburg. Der Aufstieg hat umgerechnet etwa zwei Euro gekostet, die sich auf alle Fälle gelohnt haben.

Kazan Cathedral

Im Anschluss sind wir zur Kasaner Kathedrale gelaufen. Diese steht übrigens direkt gegenüber vom Hauptquarier von vKontakte, dem russischen Äquivalent zu Facebook. In der Kathedrale fand zu der Zeit, zu der wir die Kirche besichtigten, ein orthodoxer Gottesdienst statt. Alle Frauen wurden deshalb gebeten ihren Kopf zu bedecken. Der Gottesdienst fand komplett im Stehen statt, was wirklich ungewohnt war.

Bootstour 

Am Abend haben wir dann noch eine  60-minütige Bootstour durch St. Petersburg gemacht. Für gerade einmal 4 Euro ist das definitiv empfehlenswert!
Danach hatten wir alle riesigen Hunger und sind in ein schickes Sushi Restaurant gegangen, wo wir für jeweils 12 Euro ganze 35 Stücke (veganes) Sushi gegessen haben. Und lecker war es auch noch! Dabei ist uns der krasse Unterschied der Preise noch einmal aufgefallen.

Info: Im Mai 2016, als wir in St. Petersburg waren, hatten wir extrem Glück mit dem Wechselkurs. Dementsprechend war fast alles wirklich günstig. Während man in Deutschland beispielsweise ca. 10 Euro für ein 30cm Subway-Baguette im Menü zahlt, hat man in St. Petersburg für umgerechnet 7,50 Euro das Doppelte bekommen. Und das, obwohl SPB eine Großstadt ist! Die Preise, die wir hier angeben, sind demnach stark vom Wechselkurs abhängig!

Tag 2 in St. Petersburg

Am nächsten Morgen sind wir nach einem ziemlich einfachen Frühstück, bestehend aus Cornflakes, Milch, Keksen und extra für uns organisierter Sojamilch, losgezogen, um eine sehr alte und schöne Metro Station anzugucken. Wir haben noch nie so eine schöne Metro Station gesehen! Neben den Verzierungen an den Wänden, hingen sogar Kronleuchter von den Decken. Von da aus haben wir die U-Bahn zu einer neueren Station genommen, die unglaublich tief unter der Erde lag. Eine weitere Besonderheit, die uns aufgefallen ist: in den Stationen ist nicht ein einziger Mülleimer zu finden und trotzdem war nirgendwo auch nur ein Stück Papier zu finden. Polina begründete dies mit der Aussage: „Keine Mülleimer, kein Müll.“

Palace Square und Eremitage

Polina zeigte uns anschließend den Palastplatz und die Alexandersäule. Die hohe Säule zeigt Zar Alexander I und wurde nach dem Sieg Russlands über Napoleon gebaut. Direkt neben dem Palastplatz ist das berühmte Eremitage, eines der größten und bedeutendsten Museen der Welt! Das Gebäude selbst ist bereits sehenswert: prunkvoll und mit vielen golden Details! Von innen faszinierten uns die Räumlichkeiten fast mehr, als die Gemälde. Das Museum ist so groß, dass man, wenn man nur eine Minute vor jedem Kunstwerk stehen bleibt, acht Jahre bräuchte, um sich alles anzuschauen! Wir haben das ganze dann doch lieber auf eine Stunde abgekürzt 😀

eremitage

Peter-und-Paul-Festung

Anschließend haben wir uns die Peter-und-Paul-Festung angeguckt. Dort steht eine Statue von Peter I, welche Glück bringen soll, wenn man sie berührt oder eine Münze daneben legt. Der Mann, der sämtliche Münzen vom Boden der Statue geklaut hat, hat das mit dem Glücksbringer wohl falsch verstanden 😀

Auferstehungskirche

Church St PetersburgDer letzte Stopp des Tages war die Auferstehungskirche.

Die Kirche sieht einfach unglaublich aus und ist die schönste Kirche, die wir jemals gesehen haben. Von innen ist sie komplett aus Mosaiksteinen gefertigt (7.500 qm). An dem Ort der Auferstehungskirche wurde Zar Alexander II ermordet. In der Kirche ist auch heute noch der Platz, an dem er erstochen wurde, eingezäunt und komplett erhalten.

Church Spilled Blood

Nachdem wir noch einige Zeit zusammen in der Stadt verbracht haben sind wir zu viert abends bei PizzaHut (natürlich vegan) essen gegangen.  Am Abend sind wir mit einer anderen Gruppe von OpenYourRussia noch Limousine gefahren. Die Fahrt hat etwa 15 Euro p.P. für 3 Stunden gekostet und hat wirklich Spaß gemacht. Allerdings hat der Fahrer die 3 Stunden Zeitmarke etwas zu ernst genommen und uns nach diesen 3 Stunden irgendwo mitten in der Stadt rausgeworfen, so dass wir mit dem Taxi ins Hostel fahren mussten. Sowas haben wir auch noch nicht erlebt 😀

Limo SPB.jpg

Tag 3 – Peterhof Palast

Der letzte Tag begann mit dem gleichen Frühstück wie am Vortag. Im Anschluss sind wir, nachdem wir unsere Koffer gepackt hatten, mit dem Bus etwa 30-40 Minuten aus der Innenstadt St. Petersburgs rausgefahren, um uns den Peterhof anzugucken. Der riesige Palast liegt direkt am Meer und hat 5 Euro Eintritt gekostet. Der Palastgarten ist wunderschön und war eines der Highlights der Tour. Da hätten wir ohne Probleme den ganzen Tag verbringen können. Wir hatten während des gesamten Trips übrigens perfektes Wetter für eine Stadtbesichtigung, sonnig aber nicht zu heiß.

Peterhof Peter Palace

Peterhof Palace

Bye bye St. Petersburg

Im Hostel haben wir anschließend noch die Süßigkeiten bekommen, die im Preis enthalten waren. Für uns beide hat Polina extra Datteln gekauft, da die russischen Süßigkeiten nicht vegan waren. Total lieb! Nachmittags sind wir dann mit dem Bus wieder zur Fähre gefahren und über Nacht zurück nach Helsinki. Von dort aus sind wir mit der Bahn zurück nach Seinäjoki („nach Hause“) gefahren.

Fazit zum Sightseeing in St. Petersburg

Wir haben uns total in St. Petersburg verliebt. Wir kommen definitiv wieder und können einen Städtetrip dorthin absolut empfehlen!  Wir waren auch zufrieden mit der Organisation OpenYourRussia. Für das Geld, was wir bezahlt haben, durften wir unvergessliche drei Tage erleben in einer der schönsten Städte, die wir jemals gesehen haben.

Info: Man kann übrigens nicht nur von Helsinki aus mit OpenYourRussia nach SPB reisen, sondern auch von Stockholm und Tallinn aus!

Kommentar verfassen