Histogramm und Belichtung in der Fotografie

Autor Backpackerbuddies Flo
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geschrieben von Flo

Über mich

Während früher der Film belichtet werden musste, um ein Bild zu erzeugen, muss dazu heutzutage der Sensor einer Kamera belichtet werden. Der große Unterschied liegt darin, dass die Belichtung des Sensors deutlich genauer gesteuert werden kann. Dadurch ist eine Fehlbelichtung, also eine Über- oder Unterbelichtung des Bildes, nahezu unmöglich. Vorausgesetzt man weiß, wie das Histogramm einer Kamera zu lesen ist. In diesem Beitrag erklären wir dir, wie du das Histogramm in der Fotografie richtig deutest und nutzen kannst, damit deine Fotos immer perfekt belichtet sind.

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Aufbau des Histogramms – Wie liest man es richtig?

Das Histogramm wird auch gerne Tonwertkurve genannt, denn es stellt alle Pixel eines Bildes anhand ihrer Tonwerte, also ihrer Helligkeit, in einem Graphen dar. Die Skala der Tonwerte reicht dabei von 0 bis 255, wobei 0 absolutem Schwarz und 255 absolutem Weiß entspricht. Alle Werte, die dazwischen liegen, sind verschiedene Graustufen. Die Helligkeit der Pixel wird immer auf der horizontalen X-Achse angegeben. Die vertikale Y-Achse des Histogramms spiegelt dabei die Anzahl bzw. Häufung der Pixel mit den verschiedenen Tonwerten innerhalb eines Fotos wieder. Daraus ergeben sich sogenannte »Tonwertgebirge«.

Befinden sich besonders hohe »Gipfel« auf der linken Seite des Histogramms, dann bedeutet das also, dass das Foto sehr dunkel, also wenig belichtet ist. Befinden sich hingegen besonders hohe Gipfel auf der rechten Seite des Histogramms, handelt es sich um ein sehr helles, stark belichtetes Foto.

Natürlich befinden sich nicht immer nur Gipfel auf einer Seite des Histogramms. Fotografierst du beispielsweise eine dunkle Landschaft mit hellem Himmel, wirst du mit Sicherheit Gipfel auf beiden Seiten des Histogramms finden.

Wenn die Kurve eines Histogramms auf der linken oder rechten Seite abgeschnitten ist, bedeutet das, das Bild ist zu dunkel oder zu hell und es kann kein Tonwert mehr in den entsprechenden Pixeln gefunden werden. Das Abschneiden der Kurve nennt man in der Fotografie »Clipping«. Diese Bereiche des Fotos sind auch in der Nachbearbeitung oft nicht mehr zu retten und können dein Foto damit unbrauchbar machen. Achte daher unbedingt darauf, dass die Kurve innerhalb des Histogramms auf beiden Seiten die X-Achse berührt. Nur so kannst du sicherstellen, dass dein Foto nicht unter- oder überbelichtet ist.

Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen, die wir dir nicht verschweigen wollen: Fotografierst du beispielsweise den Nachthimmel oder willst ein Portrait mit schwarzem Hintergrund besonders dramatisch gestalten, kannst du das Clipping der Kurve auf der linken Seite des Histogramms durchaus als stilistisches Mittel nutzen. Clipping auf der rechten Seite des Histogramms, also eine Überbelichtung, solltest du jedoch unter allen Umständen vermeiden. Zwar ist es nicht sehr problematisch, wenn beispielsweise ein Teil der Sonne zu hell aufgenommen wird, denn das wird später nicht auffallen. Ausgebrannte Stellen in anderen Bereichen eines Fotos sehen aber grundsätzlich niemals gut aus.

Unsere Empfehlung

Belichte dein Foto für die Lichter. Schatten können in der Nachbearbeitung oftmals gerettet werden, während ausgebrannte Stellen im Foto für immer verloren sind.

Hier einmal drei Beispiele für verschiedene Histogramme:

Der Großteil aller Bildpixel im Foto der New Yorker Skyline befinden sich auf der linken Seite des Histogramms. Dabei handelt es sich also um ein sehr dunkles Foto. Damit die Lichter der Skyscraper nicht ausbrennen, haben wir uns in diesem Fall dafür entschieden, das Foto weniger stark zu belichten und die Schatten in der Nachbearbeitung aufzuhellen.

Der Großteil aller Bildpixel im Foto vom verschneiten Finnland befindet sich hingegen auf der rechten Seite, da der Schnee im Vergleich zum Rest des Bildes sehr hell ist.

Die Bildpixel im Foto aus Greetsiel sind relativ gleichmäßig verteilt, wobei der mittlere Helligkeitsbereich eher weniger stark vertreten ist. Mit sehr wenig Nachbearbeitung bekommt man hier aber ganz einfach eine sehr ausgeglichene Lichtverteilung hin.

Alle drei Fotos haben wir übrigens nicht nachbearbeitet, damit das Histogramm für die Beispiele nicht verfälscht wird.

Das Histogramm in der Kamera nutzen

Nach der Aufnahme eines Fotos sollte man am besten sofort überprüfen, ob es richtig belichtet wurde. Durch integrierte Histogramme in den modernen Kameras wird uns diese Aufgabe besonders leicht gemacht.

Die meisten Systemkamerassowie einige Spiegelreflexkameras haben sogar die Funktion, schon während der Aufnahme ein Live-Histogramm anzeigen zu lassen. So benötigt man gar nicht erst mehrere Versuche, ein Foto richtig zu belichten. Auch unsere Sony Kameras haben diese Fähigkeit und wir würden sie unter keinen Umständen missen wollen. Seit wir das Live-Histogramm nutzen, sind nahezu 100 % unserer Fotos im ersten Versuch perfekt belichtet. Besser geht’s nicht!

Histogramm und Belichtung mit Kameraeinstellungen anpassen

Um die Belichtung eines Fotos anzupassen und somit das Histogramm zu verändern, gibt es verschiedene Einstellungsmöglichkeiten in deiner Kamera. Ist dein Foto zu wenig belichtet und damit zu dunkel, kannst du entweder die Blende weiter öffnen, die Verschlusszeit verlängern oder den ISO-Wert erhöhen. Gleichzeitig kannst du die Blende mehr schließen, die Verschlusszeit verkürzen oder den ISO-Wert verringern, um dein Foto abzudunkeln. Wahrscheinlich ist eine Kombination aus allen drei Einstellungen die sinnvollste Variante. Wenn du nicht weißt, was die verschiedenen Einstellungen bedeuten und was für Auswirkungen sie auf dein Foto haben, dann schau dir unbedingt zunächst unseren Beitrag zu ISO, Blende und Verschlusszeit an.

Die Belichtungskorrektur

Solltest du deine Fotos nicht im manuellen Modus aufnehmen, sondern beispielsweise die Zeitautomatik nutzen, kannst du dein Histogramm auch mit Hilfe der Belichtungskorrektur (+/-) anpassen. Dazu betätigst du einfach den Knopf oder das Rad deiner Kamera, auf dem du das Zeichen ± siehst. Anschließend kannst du dein Bild ganz einfach aufhellen, indem du den Wert erhöhst, oder dein Foto abdunkeln, indem du den Wert verkleinerst.

RGB Histogramme – sinnvoll oder überflüssig?

Das Histogramm, mit dem wir uns bisher beschäftigt haben, ist das sogenannte Helligkeitshistogramm, auch Luminanzhistogramm genannt. Dieses zeigt die kumulierte Helligkeit der drei Farbkanäle Rot, Grün und Blau innerhalb eines Bildes an. Neben diesem Helligkeitshistogramm gibt es außerdem die Möglichkeit, sich die Histogramme der einzelnen Farbkanäle separat anzuschauen. Leider kann nicht jede Kamera RGB-Histogramme anzeigen. In diesem Fall kann man sich die RGB-Histogramme erst in der Nachbearbeitung am Computer anschauen. Digitale Spiegelreflexkameras, spiegellose Systemkameras und einige, hochwertige Kompaktkameras bieten allerdings die Möglichkeit, sich die RGB-Histogramme schon in der Kamera anzeigen zu lassen.

Wofür man RGB-Histogramme braucht, wenn das Helligkeitshistogramm bereits Auskunft darüber gibt, ob ein Foto richtig belichtet ist, fragst du dich? Wir verraten es dir! Es kann passieren, dass eine besonders leuchtende Farbe im Bild vorkommt, wie zum Beispiel das Rot einer Tulpe, während der Rest des Bildes eher dunkle Farben enthält. In diesem Fall ist es durchaus möglich, dass die rote Tulpe stark überbelichtet ist und es zum Clipping im Rotkanal kommt. Dadurch verliert die Tulpe an Struktur und sieht auf dem Foto nicht mehr schön aus. Im Luminanzhistogramm ist dies allerdings unter Umständen nicht zu erkennen, da es auch die hellen grünen und blauen Bereiche im Bild zur Berechnung heranzieht und die hellen Bereiche dadurch insgesamt nicht überbelichtet erscheinen. In den RGB-Histogrammen kannst du also sehen, ob einzelne Farben über- oder unterbelichtet sind und entsprechend reagieren. Daher ist es durchaus sinnvoll, im Zweifel einen kurzen Blick zu riskieren.

Persönlich müssen wir zugeben, dass wir RGB-Histogramme während des Fotografierens noch nicht oft genug nutzen. Besonders in Situationen, in denen wir schnell reagieren müssen, vernachlässigen wir die einzelnen Kanäle oft. Beim Fotografieren von Landschaften, wobei wir uns meist viel Zeit lassen, werfen wir dafür umso öfter mal einen Blick auf die einzelnen RGB-Histogramme.

In diesem Foto beispielsweise ist das Helligkeitshistogramm auf keiner Seite geclippt. Das Foto ist also weder über- noch unterbelichtet. Der grüne Kanal hingegen ist in einigen Bereichen deutlich unterbelichtet, was an dem grünen Streifen auf der linken Seite zu erkennen ist. Das wäre im Helligkeitshistogramm nicht aufgefallen. Es ist zwar kein dramatisches Clipping, allerdings gibt es wie bereits erwähnt auch Fotos, in denen einzelne Kanäle deutlich über oder unterbelichtet sind.

Das Histogramm in Extremsituationen

Nicht immer ist es möglich, ein Foto perfekt zu belichten. Immer wieder kommt es vor, dass das Histogramm auf beiden Seiten beschnitten wird. Der Klassiker sind dabei Sonnenuntergänge. Der Himmel ist durch die tief stehende Sonne stark überbelichtet, während die Landschaft stark unterbelichtet ist. In einer solchen Situation helfen keine Einstellungen mehr, um das Foto richtig zu belichten. Es ist schlichtweg nicht möglich. In diesem Fall muss man zu physischen Hilfsmitteln greifen, genauer gesagt zu sogenannten Grauverlaufsfiltern.

Grauverlaufsfilter sind Filter, die nicht durchgängig abgedunkelt sind, sondern relativ mittig von dunklem in helles Glas übergehen. Steckt man einen solchen Grauverlaufsfilter vor das Objektiv seiner Kamera, kann man ihn so ausrichten, dass der überbelichtete Himmel vom dunklen Glas abgedunkelt wird. Die bereits weniger belichtete Landschaft bleibt durch den transparenten Teil des Filters unverändert. Auf diese Weise kann man den Himmel soweit abdunkeln, dass die Tonwertkurve innerhalb der Grenzen auf beiden Seiten die X-Achse berührt. Man sorgt also manuell dafür, dass aus einem über- und unterbelichteten Foto ein korrekt belichtetes Foto wird.

Histogramm
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Solltest du keinen Grauverlaufsfilter besitzen, kannst du alternativ versuchen, einen eckigen ND-Filter vor den überbelichteten Teil des Fotos zu halten. Oder du versuchst, das Histogramm einfach so gut wie möglich zu justieren, sodass der Schaden am Foto so gering wie möglich ausfällt. Auf diese Weisen wirst du allerdings nie so gute Ergebnisse erzielen können, wie mit einem Grauverlaufsfilter, der für genau solche Situationen konzipiert ist.

Wir hoffen, dieser Beitrag hat etwas Licht ins Dunkle gebracht und du weißt nun, wie du ein Histogramm lesen und deuten musst, damit deine Fotos immer richtig belichtet sind. Weiterhin viel Spaß beim Fotografieren!

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