Busfahren in Kolumbien

Autor Backpackerbuddies Flo

geschrieben von Flo

Über mich

Vor unserer Reise nach Kolumbien haben wir viele Horrorstories von Busunfällen in Südamerika gehört. Ständig sollen Busse von der Straße abkommen, weil die Fahrer keine gute Ausbildung genossen haben, sie einfach unaufmerksam sind oder der Bus selber, aufgrund seines Alters, schon fast auseinander fällt. Welche Erfahrungen wir beim Busfahren in Kolumbien gemacht haben und worauf du unbedingt achten solltest, wenn du in Kolumbien selber mit dem Bus durch das Land reisen möchtest, erfährst du in diesem Beitrag.
Autor Backpackerbuddies Flo

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Fernbusse in Kolumbien

In Kolumbien ist es nicht unüblich, auch lange Strecken mit dem Bus zurückzulegen. Zwar bekommt man bereits für sehr wenig Geld Inlandsflüge, aber besonders die Einheimischen setzen oft trotzdem auf die noch günstigere Alternative auf dem Landweg. Wir haben die Strecken zwischen Bogotá und Armenia, Pereira und Medellín, Cartagena und Barranquilla sowie Barranquilla und Santa Marta ebenfalls mit einem Fernbus zurückgelegt. So haben wir nicht nur Geld gespart, sondern auch mehr von Kolumbien zu sehen bekommen und gleichzeitig die Umwelt geschont.

Welche Busunternehmen in Kolumbien sind sicher?

Bevor wir uns dazu entschieden haben, Kolumbien mit dem Bus zu bereisen, haben wir uns über verschiedene Busunternehmen im Internet informiert. Unsere Sicherheitsbedenken waren zu groß, als das wir einfach guten Gewissens in den nächstbesten Bus hätten steigen können. Die Busunternehmen, die von anderen Reisenden am häufigsten empfohlen werden, sind Expreso Bolivariano und Expreso Brasilia.

Wir sind mit beiden Busunternehmen gefahren und können sie ausnahmslos empfehlen. Außerdem sind wir mit Flota Occidental gefahren, die wir auch weiterempfehlen können. Die Busse von Rapido Ochoa, einem weiteren bekannten und beliebten Busunternehmen in Kolumbien, sahen von außen quasi identisch aus. Gefahren sind wir damit zwar nicht, aber wir glauben, dass es keinen großen Unterschied zu den anderen Unternehmen gibt.

Die Busse aller genannten Unternehmen sahen wirklich gut aus. Wir haben vor jeder Fahrt einen kurzen Blick auf die Reifen geworfen, nur um ein besseres Gefühl zu haben. Auch hier konnten wir als Laien keine große Abnutzung feststellen. Wie neu oder alt die Busse tatsächlich sind, können wir natürlich nicht wissen, aber sie haben einen wirklich guten Eindruck gemacht.

Leider haben nicht alle Fernbusse Gurte. Der Großteil der Busse ist allerdings damit ausgestattet, was wir sehr wichtig finden.

Ihr solltet in Fernbussen unbedingt darauf achten, eure Rucksäcke und andere Wertsachen nicht in die Gepäckfächer zu legen. Ein unaufmerksamer Moment reicht potenziellen Dieben schon aus, um euren Rucksack oder den Inhalt eures Rucksacks unbemerkt zu entwenden. Wir hatten unser Gepäck immer zwischen unseren Füßen stehen, wo es dank der großzügigen Beinfreiheit auch nicht gestört hat. Unsere großen Backpacks haben wir natürlich im Kofferraum vom Bus untergebracht.

Erste oder zweite Klasse – Lohnt sich der Aufpreis?

Einige kolumbianische Busunternehmen haben seit wenigen Jahren auch Doppeldecker in ihrer Flotte. Die untere Ebene ist dabei die erste, die obere Ebene die zweite Klasse. Wir sind auf langen Fahrten ausschließlich in der ersten Klasse gereist und würden uns immer wieder dafür entscheiden. Versteht mich nicht falsch: Die zweite Klasse ist keineswegs schlecht, aber der Unterschied zur Ersten im Verhältnis zum minimalen Aufpreis ist wirklich enorm. Während man in der zweiten Klasse ganz normale Bussitze findet, sind die Sitze in der ersten Klasse richtige Sessel, die zudem soweit zurückgeklappt werden können, dass sie fast schon als Bett durchgehen. Die Beinfreiheit ist ebenfalls deutlich größer, wobei es auch in der zweiten Klasse mehr Beinfreiheit gibt, als man aus deutschen Fernbussen gewohnt ist.

Der Aufpreis für die Fahrt von Bogotá nach Armenia war zum Beispiel unter 8 Euro pro Person. Gerade bei langen Fahrten lohnt es sich daher sehr, den Aufpreis zu zahlen. Wenn du extrem auf dein Geld achten musst, ist die zweite Klasse aber auch absolut annehmbar.

Busfahren Kolumbien Erste Klasse

Nachtbusse in Kolumbien: Ja oder nein?

Wir haben während unser gesamten 2-monatigen Reise durch Kolumbien keinen einzigen Nachtbus genommen und würden es auch niemandem empfehlen. Bei allen Unfällen, die wir beim Googlen gefunden haben, war kein einziger dabei, der tagsüber passiert ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass es mit Kolumbiens Bussen tagsüber zu keinen Unfällen kommen kann, aber die Wahrscheinlichkeit ist einfach deutlich geringer. In Nachtbussen sind die Fahrer oftmals übermüdet und fallen in einen verheerenden Sekundenschlaf. Das wollten wir nicht riskieren! Trotz einiger Vorteile, wie zum Beispiel der Kostenersparnis für eine Unterkunft, würden wir immer auf Busfahrten bei Tag setzen.

Sogar die Tagfahrten haben wir immer so gelegt, dass wir möglichst noch bei Tageslicht an unserem Ziel ankommen. Das hat zwar leider nicht immer funktioniert, aber dazu gleich mehr. Wenn du bei Tageslicht im nächsten Ort ankommst, kannst du außerdem in Ruhe deine Unterkunft suchen und musst nicht im Dunkeln durch die Gegend laufen. Das ist in Kolumbien aufgrund der Sicherheit nämlich keine gute Idee. Hast du dazu schon unseren Beitrag über Sicherheit auf Reisen in Kolumbien gelesen? 😉

Bustickets kaufen, aber wo?

Wir sind kleine Sicherheitsfanatiker. Deshalb haben wir unsere Bustickets in Kolumbien immer vorab online gekauft. Viele andere Reisende und fast alle Kolumbianer tauchen einfach kurz vor Abfahrt am Busterminal auf und kaufen ihr Ticket vor Ort. Kein Bus, in dem wir gefahren sind, war jemals restlos ausgebucht. Wir hätten unsere Tickets also auch einfach am Schalter kaufen können, aber wir wollten es einfach nicht riskieren, mit Sack und Pack am Terminal zu stehen und am Ende nicht von dort wegzukommen.

Das Buchungsportal unserer Wahl war Redbus. Dort konnten wir unsere Fahrtkarten ohne Aufpreis vorab buchen und sogar kostenlos Sitzplätze unserer Wahl reservieren. Redbus war übrigens auch die einzige Seite, auf der wir uns mit unserem deutschen Reisepass überhaupt registrieren konnten. Unsere Buchungsbestätigung haben wir nach Bezahlung mit Kreditkarte bequem per E-Mail bekommen und mussten am Schalter dann nur noch unsere Tickets ausdrucken lassen.

Dauer einer Busfahrt in Kolumbien

Nicht einmal ist es vorgekommen, dass wir mit dem Bus pünktlich am Zielort angekommen sind. Statt der geplanten 9 Stunden von Bogotá nach Armenia haben wir beispielsweise stolze 12 Stunden gebraucht. Auf den Straßen Kolumbiens gibt es viele Baustellen, die die Ankunft natürlich verzögern. Aus unserer geplanten Ankunft bei Tageslicht wurde dann leider nichts, aber es lies sich nunmal nicht vermeiden.

Grundsätzlich kannst du bei jeder Busfahrt gut 30% Zeitpuffer auf die angegebene Zeit aufschlagen. Besonders, wenn du einen Anschlussbus oder -flug bekommen musst, solltest du, wenn möglich, immer einige Stunden extra einplanen und lieber einen Bus früher nehmen. Wir sind auch immer mit mindestens einer Viertelstunde Verspätung losgefahren, was aber nicht wirklich dramatisch war. Wir würden dir trotzdem empfehlen, rechtzeitig am Terminal zu sein, um nichts zu riskieren.

Die Fernbusse in Kolumbien machen, wenn überhaupt, nur einen kurzen Stopp. Die Fahrer holen sich dann etwas zum Mittagessen und schon geht es weiter. Bei Fahrten von mehreren Stunden sind bei guten Busunternehmen übrigens immer zwei Fahrer an Board, die sich alle 4 Stunden abwechseln, damit die Konzentration gewährleistet ist. Wir hatten nie das Gefühl, dass die Fahrer besonders unvorsichtig oder schnell gefahren sind. Einzig bei der Fahrt von Santa Marta zum Tayrona Nationalpark hatten wir ein ungutes Gefühl, da der Fahrer extrem auf’s Gaspedal getreten hat. Am Ende ist es trotzdem gut gegangen.

Stadtbusse in Kolumbien

Auch innerhalb von Städten und zwischen kleineren Ortschaften ist der Bus ein beliebtes Fortbewegungsmittel in Kolumbien. Wir haben sehr oft den Bus genommen, wenn wir nur eine Stadt weiter fahren wollten oder um von unserer Unterkunft in das Stadtzentrum zu fahren.

Sicherheit in Kolumbiens Stadtbussen

Wir haben uns zu keiner Zeit unsicher gefühlt, als wir mit den Stadt- oder Dorfbussen in Kolumbien unterwegs waren. Die Einheimischen waren alle sehr freundlich und sehr interessiert an uns und unserer Reise – mehr dazu in unserem Fazit weiter unten. Aufgrund des Verkehrs ist zu schnelles Fahren quasi unmöglich, falls ihr nicht gerade auf einer Landstraße zwischen zwei Ortschaften unterwegs seid. Gurte gibt es, genau wie in Deutschland, in den Stadtbussen keine.

Ein- und Ausstieg in Stadtbussen

In Kolumbiens Städten gibt es meist keine Bushaltestellen. Eine Ausnahme dazu sind zum Beispiel die TransMilenio Busse in Bogotá. Um den richtigen Bus zu erwischen, erkundigt man sich am besten in seiner Unterkunft über die Route und die verschiedenen Buslinien. Wenn du in einen Bus einsteigen möchtest, stellst du dich einfach irgendwo auf der Route an die Straße und winkst dem Busfahrer zu, sobald du den Bus siehst. Alle Busse haben Schilder mit dem Zielort an die Frontscheibe geklebt, sodass du weißt in welche Richtung er fährt. Wenn du aussteigen willst, reicht es, dem Busfahrer „En la esquina por favor“ (An der Ecke, bitte) oder einfach „Pare por favor“ (Anhalten, bitte) zuzurufen. Er hält dann an der nächstmöglichen Stelle an und du kannst genau da aussteigen, wo du möchtest. Die Türen werden übrigens oft gar nicht geschlossen, sodass man bei Schritttempo rausspringen kann. Super praktisch, wie wir finden.

Die Kolumbianer treiben das Ganze für unseren Geschmack etwas zu sehr auf die Spitze. Selbst wenn jemand nur 30 Meter (ungelogen!) vor ihrem gewünschten Stopp aussteigt, lassen sie den Busfahrer nochmal anfahren, nur um dann 10 Sekunden später wieder „Pare“ zu rufen. Faulheit pur! 😀

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Wie bezahlt man im Bus in Kolumbien?

Die Bezahlung läuft von Stadt zu Stadt unterschiedlich ab. Für den TransMilenio in Bogotá muss man beispielsweise eine Karte kaufen, die man auflädt und mit der man dann durch ein Drehkreuz gehen muss, um zum Einstieg zu gelangen. In der Kaffeeregion rund um Armenia zahlt man für den Bus, wenn man den Bus verlässt. Der Fahrer merkt sich die zurückgelegte Strecke von jedem Gast und rechnet beim Ausstieg ab. In Santa Marta wird hingegen beim Einsteigen bezahlt. Dort gibt es zusätzlich zum Fahrer immer einen Beifahrer, der abkassiert. Man sagt dem Beifahrer wo man hinmöchte und er nennt einem dann den Preis.

Auch bei den etwas größeren Bussen, die zwischen den Städten hin- und herfahren, gibt es Unterschiede bei der Bezahlung. Mal zahlt man bei einem Mitarbeiter bevor man einsteigt, und mal zahlt man während der Fahrt bei einem Mitarbeiter, der durch den Bus läuft und von jedem Fahrgast das Geld einsammelt.

Verrückt, wie viele verschiedene Arten der Bezahlung es für Busse in Kolumbien gibt, oder?

Verpflegung und Unterhaltung in Kolumbiens Bussen

Während der Fahrt in den Stadtbussen von Kolumbien wirst du unter keinen Umständen verhungern oder verdursten. Im Gegenteil: du läufst sogar Gefahr, während der Busfahrt 3 Kilo zuzunehmen, so viel Angebot an Essen und Trinken gibt es an Board.

Auf jeder Fahrt ist mindestens einmal ein Straßenverkäufer eingestiegen, der uns frische Churros, heiße Empanadas, Süßigkeiten, Eis oder gekühlte Getränke verkaufen wollte. Für uns als Veganer war das eine echte Qual, so gut wie das Essen immer gerochen hat. Leider sind weder Churros, noch die meisten Empanadas vegan. Die anderen Fahrgäste haben sich oft ordentlich den Bauch vollgeschlagen. Bei unserem schlechten Stoffwechsel war es aber vielleicht gar nicht so schlecht, dass wir nichts davon essen konnten 😀

Hin und wieder sind auch Musiker zugestiegen, die einen ihrer Songs performt haben und anschließend nach einer Spende gefragt haben. Auch für wohltätige Zwecke wurde oftmals Geld im Bus gesammelt. Als Dankeschön wurden dann kleine Süßigkeiten verteilt.

Unser Fazit zum Busfahren in Kolumbien

Wir haben keinerlei schlechte Erfahrungen beim Busfahren in Kolumbien gemacht und würden immer wieder so reisen. Im Gegenteil: unsere lustigsten und interessantesten Bekanntschaften haben wir in den Stadt- und Dorfbussen gemacht!

Auf dem Weg zum botanischen Garten in Calarcá sind wir im Bus mit einem älteren Herren, seiner Enkelin und zwei älteren Frauen ins Gespräch gekommen, denen wir von unseren Reisen erzählt haben – zumindest so gut es unser Spanisch zugelassen hat. Als wir umsteigen mussten und nicht wussten, welchen Bus wir als nächstes nehmen sollen, haben uns zwei jugendliche Mädchen, die unser Gespräch mitgehört hatten, bis zur nächsten Bushaltestelle begleitet und uns den richtigen Bus gezeigt.

Auf dem Weg zur Kaffeefarm in Pijao waren wir die einzigen Fahrgäste im Bus. Als der Fahrer gemerkt hat, dass ich Fotos aus dem Fenster mache, hat er kurzerhand die Tür für die restliche Fahrt aufgemacht, damit keine Scheibe im Weg ist. Außerdem hat er an schönen Punkten gehalten, damit ich in Ruhe ein Foto machen kann. Könntest du dir sowas in Deutschland vorstellen?

Das wohl coolste Erlebnis hatten wir aber im Bus von Filandia nach Salento. Während wir in Filandia auf einen Jeep gewartet haben, der uns nach Salento fahren sollte, haben sich drei Kolumbianer zu uns gestellt, die mitfahren wollten. Als sie den Preis für den Jeep gehört haben, sind sie völlig empört zur nächsten Straßenecke gegangen, um auf den Bus zu warten. Wir sind daraufhin kurzerhand hinterhergegangen und haben mit ihnen eine gute halbe Stunde auf den nächsten Bus gewartet und ein paar unserer Snacks verdrückt. Wir haben die ganze Zeit gesagt, dass wir uns jetzt an ihre Fersen hängen, bis wir in Salento sind. Nach einem Umstieg, insgesamt mindestens 1,5 Stunden Fahrt für rund 20 km und vielen lustigen Gesprächen über Obstpreise in Deutschland und sonstige Unterschiede zwischen Kolumbien und Deutschland sind wir letztlich in Salento angekommen. Wir haben ganze 50 Cent gespart und waren mindestens 5 mal so lange unterwegs, wie wir es mit dem Jeep gewesen wären. Die Fahrt war allerdings so lustig, dass sie uns immer in Erinnerung bleiben wird. Ein Fahrgast ist in einer Kurve auch noch quer über die Sitzreihe auf den Schoß von Fremden geflogen und der ganze Bus hat sich lauthals kaputtgelacht. Das werden wir nie vergessen. Reiseübelkeit haben wir übrigens während keiner Fahrt gehabt und auch sonst haben wir uns immer in guten Händen gefühlt. Wir würden Busfahren in Kolumbien jedem empfehlen, der etwas Geld sparen möchte und eine wirklich authentische Erfahrung machen möchte.

Safe Travels
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